Die Leber erzählt:

 

Die Reise des Trinkwassers durch meinen Menschen

 

Darf ich mich vorstellen, ich bin die Leber einer 59jährigen Frau. Sie und ich haben schon viel mitgemacht und ganz ehrlich: Sie ist nicht immer gut mit mir umgegangen. Aber seit einiger Zeit hat sie´s geschnallt. Man kann mir viel zumuten, aber irgendwann streike auch ich. Sie hat´s kapiert und hegt und pflegt mich nun sehr. Sie macht sich auch viele Gedanken, wie sie mir meine vielfältigen Aufgaben erleichtern kann. Das Allernötigste was ich brauche ist reines Wasser. Dazu möchte ich dir einmal die Reise des Trinkwassers durch den menschlichen Körper anschaulich erklären. Damit du das besser verstehst, stellen wir uns die Wassermenge mal im Zugverkehr vor.

 

Der Regionalzug

Gleich vorweg, der ist mir am liebsten. Er fährt langsam, hält in jedem Bahnhof und kann nach Bedarf verlängert werden. Zurück zum Wasser. Stell dir vor, das Wasser ist wie dieser Zug. Morgens in der Früh hat er ganz viele Waggons (Trinke 2 Gläser lauwarmes Wasser sofort nach dem Aufstehen). In kleinen Schlucken getrunken, kommt er langsam in Fahrt. Er „fährt“ durch Mund und Speiseröhre zum Magen. Hier dreht er erst mal eine große Runde, schaut in alle Ecken, ob jemand zusteigen möchte. Im Zwölffingerdarm und Dünndarm warten auch schon einige Passagiere (Schlackenstoffe von der letzten Mahlzeit). Weiter geht´s zum Dickdarm. „Alles aussteigen. Der Zug fährt nun eine andere Strecke.“ Unser Körper ist schlau. Der lässt das wertvolle Trinkwasser nicht komplett zum Po heraus. Dann wäre es weg. Er und ich brauchen es aber noch. Resorption nennt man das. Trinkt man zwischen den Mahlzeiten, ist das als hätte unser Zug gute Sicht und findet alle Passagiere. Wasser das mit einer Mahlzeit vermischt wird, ist wie eine Zugfahrt im Nebel. Die Verdauungssäfte müssen die Speisen suchen, die sie zu Nährstoffen umwandeln sollen und der Zug findet seine Passagier, die Schlacken auch nicht oder nicht alle.

Zurück zur zweiten Fahrroute der Wasser-Regionalbahn. Zunächst geht´s vom Dickdarm zur Leber. Dabei bringt er mir gleich noch ein paar Nährstoffe mit, die ebenfalls noch zu wertvoll sind und noch gebraucht werden. Von der Leber einmal durch den ganzen Körper. Da gibt es unzählige Haltestellen: Herz, Lunge, Gehirn, Drüsen, Blutgefäße bis in die kleinste Zelle geht die Reise.

In der Nacht habe ich, die Leber Schwerstarbeit geleistet. Alle Abfallprodukte, die Muskeln, Organe und sämtliche Zellen produziert haben, habe ich über Tage teilweise zwischenlagern müssen. Besonders am Wochenende schlemmt mein Mensch zu gern. Dann fällt viel an. In der Nacht kommt dann das große Aufräumen. Alles, was raus aus dem Körper muss, kommt ins „Wartehäuschen an der Bahnlinie“, die ich ja schon beschrieben habe. Wenn sie mal wieder zu viel genascht hat, kann ich gar nicht alles schaffen. Dann mach ich erst mal Fett aus den vielen Kohlehydraten. Die Fettkügelchen kann ich schnell in den „Schwimmreifen“ („Hüftgold“) schieben. Morgens gegen sechs Uhr sind alle „Wartehäuschen“ proppe voll. Kommt jetzt der Güterzug mit vielen Waggons, können alle Abfallprodukte einsteigen. Die Fahrt geht von mir direkt zur Niere. Hier heißt es „Endstation“, raus mit euch. Die Niere befördert die Abfallprodukte über die Blase ins Klo, joho!

Manche Abfallprodukte haben auch ´nen Düsenflieger gebucht. Da geht´s dann fix zur Lunge und mit dem Atem ab in die Luft.

Wie gesagt, der Regionalzug mit vielen Waggons und langsamer Fahrt ist mir am liebsten. Da kann ich einigermaßen sicher sein, dass alle Abfallprodukte einsteigen können. Wenn du zu schnell und viel auf einmal trinkst, ist es eher wie ein ICC. Der rauscht schnell vorbei und nimmt nicht alle mit. Schlimmer ist noch der Triebwagen (geringe Trinkmenge). Da passen bei weitem nicht alle rein.

Morgens brauche ich einen langen Zug mit vielen Waggons, wenn über den Tag verteilt immer wieder ein Zug kommt, kann ich am einfachsten alle Abfallprodukte entsorgen. Dann brauche ich keine Zwischenspeicher. Manchmal machen der „Abfall“ nämlich auch Dummheiten, wenn er zu lange warten muss und Langweile hat. Besser ist immer, ich kann die sofort zur „Endstation Toilette“ schicken.

Ich hoffe die Geschichte hat dir ein wenig Spaß gemacht und du verstehst jetzt, warum du circa 2-3 Liter reines Wasser über den Tag verteilt in kleinen Schlucken trinken sollst. Apropos „Reines Wasser“, da muss ich doch noch etwas zu sagen. Reines Wasser ist wie ein leerer Zug, viele freie Plätze für viele Passagiere. Trinkst du Wasser mit Kohlensäure, sind schon einige Plätze besetzt. Die „Kohlensäure“ mogelt sich nämlich vom Dickdarm in die zweite Fahrtstrecke durch den Körper. Und sie ist für mich und meinen Körper „Abfall“, der raus muss. Trink besser Leitungswasser oder stilles Mineralwasser. Es sollte mindestens Zimmertemperatur haben. Wenn du das nicht magst, trinke es langsam und behalte jeden Schluck eine kleine Weile im Mund.

 

 

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Fotos: Christiane Rummel, Pixelio, 1 und 1